The Hangover Part II

“Es ist wieder passiert. Diesmal haben wir’s richtig verkackt.”

Treffende Einleitungsworte von Phil Wenneck (Bradley Cooper) höchstpersönlich. Bezeichnenderweise für The Hangover Part II?

Man ist ja bekanntlich skeptisch, was Fortsetzungen anbelangt. Manche funktionieren, viele gehen gründlich in die Hose. Wenn letzteres der Fall ist, ist das meist sehr schade für den ersten, erfolgreichen Teil. Was kann man erwarten von einem Film, der dasselbe Muster seines Vorgängers übernimmt?

Nichts neues… aber geniales! Jedem dürften viele Parallelen, Sketche auffallen, die in The Hangover Part II einfach übernommen wurden. Dennoch sind die Gags komisch und machen Laune! Das liegt zum einen an den Figuren: der verklemmte Stu (Ed Helms), der erst am Rande eines Nervenzusammenbruchs aus sich herauskommt, aber die wohl krassesten Erfahrungen durchlebt; Phil (Bradley Cooper), dessen Aufwachen ein Erlebnis an sich ist (wem erging es nicht schonmal ähnlich) und natürlich Alan (Zach Galifianakis), der Liebling der Zuschauer, der Mann, dessen Erscheinung allein schon zum Lachen ist. Aber auch die Nebenrollen mit Doug (Justin Bartha), Mike Tyson (as himself) und Leslie Chow (Ken Jeong) – der verrückte, doch nicht schwule Asiate – entfachen Wiedererkennungsfreude. Zum anderen – und das ist kurz gesagt – liegt es an der Absurdität der Situationen, in denen sich die 3 Männer befinden. Bangkok als neue Location tut nebenbei ihr Übriges.

Sie haben es verkackt, ja in der Tat. Denn wer (vor allem: wieder) in solche Situationen gerät, dem ist nicht mehr zu helfen. Ein The Hangover Part III ist somit genehmigt: bitte Jungs, verkackt es bald erneut!

Wasser für die Elefanten

Seit seinem Hans Landa in Tarantino’s Inglourious Basterds hat mich Christoph Waltz voll in seinen Bann gezogen. Ein [neben einer anderen Person] großartiger Mann, der wiederum – ich gebe es freilich zu – mich hauptsächlich dazu brachte, mir Wasser für die Elefanten anzusehen.
Der Film – um es vorwegzunehmen – hat mich überzeugt. Das liegt zum einen an der Rolle des Erzählers (Hal Holbrook), der die gesamte Handlung aus den 1930er Jahren, in den heutigen Rahmen einbettet und seine Geschichte erzählt – vergleichbar mit dem alten James Ryan, der in Spielberg’s Der Soldat James Ryan vor dem Grab seiner Kameraden kniet und sich an seine Geschichte erinnert.
Zum anderen (und man mag mir meine Schwäche verzeihen) ist es das Spiel der Schauspieler und das Wechselspiel ihrer Figuren.

Reese Witherspoon kann leider nicht an ihre Leistung in Walk the Line anknüpfen – was aber allein dem Fakt geschuldet sei, dass ihre Rolle auf Unterwürfigkeit und Zirkusattraktion fixiert ist – und strahlt dennoch mit ihrer Darstellung der Zirkusgattin Marlena Rosenbluth und ihrer Schönheit den Glanz einer “Attraktion” aus, die für das Zirkusrampenlicht lebt.

Auch Robert Pattinson, ich mochte es erst nicht glauben, ist definitiv zu mehr fähig, als nur einen grimmig dreinblickenden Vampir zu spielen. Zwar hat er  seine besten Momente gemeinsam mit der Elefantendame Rosie, doch scheinen diese umso natürlicher.

Und, natürlich, die Granate: Christoph Waltz. Er kann lächeln und doch bitterböse Gedanken haben. Im Film wirkt er eben deswegen wie eine Granate, die jeden Moment hochgehen kann. In einem Moment ein friedliebender Ehemann und Zirkusdirektor, im anderen kommt der cholerische Ausbruch – eine zwiespältige Persönlichkeit, die man nie so recht einzuschätzen vermag und eben daran liegt die Faszination.
Natürlich macht diese Ambivalenz auch schon Waltz’ Erfolg in Inglourious Basterds aus, aber gelingt sie ihm doch so unglaublich gut, dass ich sie immer wieder gerne sehe. Nur sollte er sich nicht dauerhaft diesen Stempel aufdrücken lassen! Aber das er auch anders kann, bewies er schon selbstironisch in Der Humpink (http://www.youtube.com/watch?v=nwY4LuADupw).

Die Zirkusvorführung, das Zirkusleben und das wahre Gesicht dahinter, werden nur am Rande erwähnt. Die angesprochenen Probleme rund um den Kampf um die Zuschauerzahlen, zu einer Zeit, in der die Weltwirtschaftskrise die USA prägte, werden nicht ausgebaut oder vertieft. Das ist schade, liegt darin doch Potenzial für mehr.
Umso wichtiger ist die Leistung der beteiligten Schauspieler – und das Augenmerk des Films liegt ganz klar auf die oben genannte Dreierkonstellation – und eben diese macht Wasser für die Elefanten sehenswert!

Winter’s Bone

Um Debra Granik‘s Winter’s Bone richtig genießen zu können, sollte man sich vorher im Klaren sein, dass man es hier mit einem Independentfilm zu tun hat. Jeglichen Pathos, epenhafte Hintergrundmusik, sowie eine durch viele Handlungs- und Zeitschichten verlaufende Geschichte wird man bei Winter’s Bone genauso vergeblich suchen, wie eine scheinbare Erlösung oder die vernichtende Katastrophe am Ende.

Eher verhält sich der Film, wie auch seine tragende Darstellerin Jennifer Lawrence (für diese Rolle Oscarnomminiert) wortkarg und still – und strahlt dennoch eine gewisse Spannung aus, die dem Zuschauer, insofern er sich damit abgefunden hat, das weniger manchmal mehr ist, nicht entgehen soll.
Gerade aufgrund dieser Fähigkeit – hervorgerufen durch die düstere Atmosphäre, die skurrilen Figuren, die Perspektivlosigkeit und den Zusammenhalt der Menschen im Film – ist Winter’s Bone oft gelobt worden.

Ich hab mich versucht damit abzufinden, dennoch scheint diese Wirkung an mir vorbeigegangen zu sein. Permanent habe ich gewartet, eben von dieser Anspannung ergriffen zu werden, doch blieb der Effekt aus – es gelang dem Film nur im Ansatz in der Szene, in dem Ree’s  (Lawrence) Onkel Teardrop ihr zur Hilfe eilt. Ich erklärte mir das damit, dass die Handlung des Films für mich nicht greifbar war. Ich hatte weder Vorstellungen von der kargen Landschaft, noch von den Problemen, mit denen die Menschen dort zu kämpfen haben. Zudem ist mir die Thematik des unglaublichen “Dorfzusammenhalts” gegen Außenstehende und der Staatsgewalt bisher nie untergekommen. Das man “keinen Ärger will“, ist mir wiederum nur aus anderen Filmen bekannt.

Schade eigentlich, hatte ich mir von dem Film doch ein wenig mehr erwartet. Winter’s Bone ist ein solider Independentfilm, dessen Eindruck für mich mit dem Verlassen des Kinosaals leider verblasste.

World Invasion: Battle Los Angeles

Ich habe mit Freunden, mit denen ich World Invasion: Battle Los Angeles gesehen habe, schon viel über den Film diskutiert. Dies wiederzugeben, käme einer ausführlichen Filmmeinung ziemlich nahe. Allerdings fand ich die Rezension von Filmkritiker Roger Ebert so großartig, dass ich sie euch nicht vorenthalten möchte, denn sie bringt es auf den Punkt:

“Battle: Los Angeles ist laut, gewalttätig, hässlich und dumm. [...] Liebe Jungen: Wenn ihr diesem Mist beiwohnt mit Freunden, die ihn schätzten, bringt ihnen taktvoll bei, dass sie Idioten sind. Liebe Mädchen: Wenn euer Date diesen Film mag, sagt ihm, dass ihr lange nachgedacht habt und meint, ihr solltet mehr Zeit mit anderen Leuten verbringen.”

Der Film versucht all das, was beispielsweise Roland Emmerich’s Independence Day richtig macht, zu imitieren und fällt dabei gnadenlos auf die Schnauze. So werden uns am Anfang die (zu) vielen beteiligten Figuren vorgestellt und in ihren jeweiligen privaten Situationen gezeigt, um ein emotionales Verhältnis zum Zuschauer aufzubauen. Das misslingt reichlich, denn sind die Situationen nicht nur die altbekannten – kurz vor der Hochzeit, Vater, blutiger Anfänger mit großen Zielen, Ersatzbruder zu einem Kameraden und der Mann mit einem düsteren Geheimnis seiner Vergangenheit – sondern erkennt man auch kaum einen von den Figuren unter der gesamten Kampfausrüstung wieder. Und so erahnt man ziemlich schnell, wer es bis zum Ende durchhalten wird und wer nicht, insofern man die Gesichter zuordnen kann. Die Dialoge strotzen nur so vor Einfallsreichtum – was oftmals nur noch ein Schreien von irgendwelchen Kommandos bedeutet – und den Gesichtern der Darsteller (leider, leider, allen voran – Aaron Eckhart) ist die Schauspielerei kaum anzusehen. Die Stummfilmära lässt grüßen!
Was letztendlich nur gelingt, sind einige Actionsequenzen, die in einem neuen Stil ein wenig auffallen.

Am Ende bleibt einzig die ernüchternde Erkenntnis, dass “wir jetzt alle den Marines beitreten sollten” (D.) – um es besser zu machen.

Der Pianist

Nach gut einer Stunde von Roman Polanski’s Film Der Pianist kam mir eindrucksvoll der Gedanke, dass ich solch ein bitteres Holocaustdrama noch nie zuvor gesehen hatte. Ohne sich wirklich auch nur einmal in der Nähe eines Konzentrationslagers zu befinden, zeigt Polanski in schonungslosen Einstellungen die wahren Geschehnisse um das Warschauer Ghetto und arbeitet damit seine eigene Vergangenheit auf.

In krassen Bildern, die unverblümt die Situation der polnischen Juden und die Rücksichtslosigkeit der deutschen Besatzer zeigen, bekommt man einen einprägenden Eindruck der Geschichte, die für uns doch oftmals einfach nur Geschichte ist. Und nachdem dann wieder Familien ohne Grund an die Wand gestellt und niedergeschossen wurden, ist man auch heilfroh darüber.
Leider verliert der Film auf Dauer diese Fähigkeit auch ein wenig und man merkt, dass der Film dann auch wieder “nur” ein Spielfilm ist. Denn letztendlich muss er weitererzählen – was nicht schlimm wäre, wenn das Verstecken, Flüchten und Wiederverstecken sich nicht ein wenig in die Länge ziehen würden.

Dann wiederum schaffen es Adrien Brody (für diesen Film auch als Bester Hauptdarsteller mit dem Oscar ausgezeichnet) und seine Tätigkeit als titelgebender Pianist den Film mit ganz besonderen Höhepunkten auszustatten. Zwei seien hier besonders hervorgehoben, die einem im Gedächtnis bleiben dürften und bei mir ein wenig Gänsehaut verursachten. Zum einen ist es die Begegnung mit dem deutschen Offizier Hosenfeld (wunderbar – Thomas Kretschmann) und das Vorspiel, welches der von Brody verkörperte Władysław Szpilman leisten muss. Zum anderen ist es die Szene, in dem ein Klavier im Versteck Szpilmans steht, aber er seiner Leidenschaft nicht nachgehen kann, da er sonst entdeckt werden würde und so, ohne die Tasten zu berühren, beginnt zu spielen.

Der Film schafft es leider nicht für mich bis zum Ende seine Intention – insofern es denn eine geben soll – der Konsterniertheit aufrechtzuerhalten. Aber er ist ein beeindruckender Film in vielerlei Hinsicht und wer sich ein wenig für Geschichte interessiert, sollte ihn sich einmal ansehen.

The Fighter

“Boxfilme”, wie ich sie jetzt einfach mal nenne, haben mich jeher noch nie richtig interessiert – ja ich oute mich als “Anti-Rocky‘st” in dem Sinne, dass ich den Film noch nie gesehen habe.
Allerdings habe ich mir dann auch Aronofsky’s The Wrestler angesehen und war positiv überrascht. Wechselt solch eine Art des Films in eine Charakterstudie, beginnt das ganze Unternehmen recht interessant zu werden.

Daher hat mich The Fighter auch überzeugt. Statt des Kampfes rückt die Liebe in den Vordergrund – nicht stupide Romantik, sondern vielmehr die Liebe zum Bruder, zur Familie, zur Sportleidenschaft und natürlich auch – wir sind in einem Hollywoodfilm – die Liebe zu einer Frau.
Der Film wird getragen von seinen Darstellern: Mark Wahlberg als Micky Ward spielt den Leidtragenden, zerrissen zwischen Freundin, Familie und dem Boxen, Oscarpreisträgerin Melissa Leo als Mutter und gleichzeitige Managerin Micky’s, die meist zu Unrecht besser weiß, was für ihren Sohn gut ist, sowie Amy Adams als Freundin Charlene, die es nicht leicht hat, in dieser starken Familienbande akzeptiert zu werden.

Aber grandios und absolut sehenswert ist die Leistung von Christian Bale. Nicht nur sieht man ihm die etlichen, extra für den Film verlorenen Kilos an, sondern verkörpert er den zwischen seiner Drogensucht und seiner Liebe zum Bruder und der Familie zerrissenen Dicky hervorragend – oscarreif und -prämiert! Durch Bale’s Mimik und Gestik bekommt der Zuschauer immer einen Eindruck davon vermittelt, welch Chaos in dem doch so standhaften Ex-Boxer herrscht. Schließlich sorgt sein Interviewauftritt, welcher den Film einbettet, für den letztendlichen Sympathiekick Bale’s.

Vielleicht sollte ich meine Meinung über Rocky einmal überprüfen, denn die wenigen Sportlerdramen, die ich bisher gesehen habe, überzeugten doch durch eine weitaus größere Themenvielfalt, als ein sinnloses Drauflosprügeln. Ohne großartigen Pathos weiß The Fighter mit Komik (großartig – die vielen Schwestern der Brüder), Schauspielerleistung und einer interessanten Geschichte zu überzeugen.

Die Gewinner

Wir haben’s nun 02:31 Uhr und es geht los.
Das Eröffnungsvideo war ja mal großartig. Schön, wenn man bekannte Filme auf die Schippe genommen sieht :)

Aber es scheint zügig voranzugehen, man merkt, dass der Zeitdruck groß ist. Und so präsentiert Tom Hanks gleich zwei Oscars und die erste Auszeichnung für Inception.

Und es wird ernst, Beste Nebendarstellerin ist… Melissa Leo. Aber eine Nebenbemerkung, der alte Kirk Douglas ist ja ne Wucht!

Beginnt nun der Siegeszug von The Social Network? Oscar für Bestes adaptiertes Drehbuch.
Bestes Originaldrehbuch an The King’s Speech. Verdient, aber leider nicht Inception, wie ich es mir gewünscht hatte :)

Oh oh oh… wird Geoffrey Rush Bester Nebendarsteller? … Nein, wie zu erwarten: Christian Bale!

Das ist enttäuschend! Der Oscar für Beste Filmmusik geht an The Social Network und LEIDER nicht Hans Zimmer! Sehr schade…
So, aber sämtliche Sound- und Tonauszeichnungen danach gehen an Inception, wenigstens!

Er präsentiert nur eine Kategorie und bekommt standing ovations: Billy Crystal – großartig!

Wow, stattdessen setzt sich der Siegeszug von Inception fort, Oscar für Visual Effects. Auch The Social Network erhält die nächste Auszeichnung – film editing. Die Favoriten True Grit und The King’s Speech liegen stattdessen noch zurück. (Zwischenzeit 04:38 Uhr)

Das ist doch eher überraschend für mich: Tom Hooper wird als Bester Regisseur für The King’s Speech ausgezeichnet! Congratulations!

Das Finale rückt näher: Jeff Bridges präsentiert den Oscar für die Beste Hauptdarstellerin. Wird es Natalie Portman für Black Swan? JA, natürlich!
Und Sandra Bullock zeichnet wen als Besten Hauptdarsteller aus? Keine Überraschung, aber auf jeden Fall verdient: Colin Firth, The King’s Speech.

Nach dem Regie-Oscar verwundert die Auszeichnung von The King’s Speech eher weniger. Glückwunsch dazu!

 

Eine ausführliche Meinung über die gesamte Show folgt alsbald!

Oscarverleihung 2011

Liebe Freunde,

heute ist es soweit: die Nacht der Nächte (jedenfalls für begeisterte Hollywoodfans wie mich) – die 83. Verleihung der Academy Awards in der Stadt der Engel.

Ich bin schon sehr gespannt und freue mich, dank Pro 7, es live im Fernsehen verfolgen zu können.
Nun dürften die meisten von euch schon die eine oder andere Nominierung mitbekommen haben und die Kritikermeinungen schweifen in mancher Hinsicht auch nicht so weit voneinander ab. Daher will ich nicht jede einzelne Kategorie jetzt hier aufführen, sondern würde einfach gern mal wiedergeben, wer für mich in den Kategorien, die mich interessieren, in Frage kommt.
Gerne dürfen auch durch Kommentare Gegenmeinungen oder Zustimmungen präsentiert werden!

In der Kategorie Bester Film haben wir seit 2010 nun 10 Nominierte. Ganz ehrlich halte ich diese Neuerung für absurd. Die Begründung lautete, dass “auch andere Filme, etwa Animationsfilme, Berücksichtigung bei der Auswahl finden.” Die Beschränkung auf 5 Filme zeigte ja schon, wer in das engste Rennen um die Trophäe kommt. Das Animationsfilme, so gut sie auch sind, dabei kaum bis gar keine Chance haben, ändert auch nicht die Aufstockung auf 10 Filme. Wir haben letzten Endes nur den schönen Satz auf der DVD-Verpackung “Nominiert für den besten Film“, was die Händler befähigt, den Preis für das Produkt anzuziehen.

Ich tue mich ein wenig schwer, meinen Favoriten für diese Kategorie zu bestimmen. Sicher habe ich noch nicht alle Filme angeschaut, aber die ich gesehen habe, erschweren nur die Wahl. Wir haben allein mit Inception, The Social Network, Black Swan, True Grit und The King’s Speech hervorragende Filme zur Auswahl. Treffe ich eine persönliche Wahl, würde ich am ehesten The Social Network zum Favoriten erklären, da mir die Story und die Aufmachung des ganzen Themas sehr gefallen haben.

Ganz ähnlich verhält es sich mit der Besten Regie: 5 sehr gute Kandidaten, wobei ich wiederum David Fincher für The Social Network als Favoriten handele. Natürlich würde ich mich auch über die Auszeichnung von Joel und Ethan Coen freuen, da sie einfach meine Lieblingsregisseure sind.

In der Kategorie Bester Hauptdarsteller sehe ich es ähnlich den meisten Kritikermeinungen, Colin Firth für The King’s Speech auszuzeichnen. Eine Überraschung wäre dabei aber sicherlich, wenn die Trophäe an James Franco geht, dessen Leistung in 127 Hours hochgelobt wurde, aber, so die “Gerüchte”, von einigen Academy-Mitgliedern aufgrund der Selbstamputation gar nicht angesehen wurde.
Zeitgleich würde ich es auch begrüßen, wenn Geoffrey Rush als Bester Nebendarsteller geehrt werden würde (s. Filmmeinung zu The King’s Speech). Die größte Chance aber hat, wenn man die Golden Globes als “Stimmungsbarometer” sieht, Christian Bale für The Fighter.

Kommen wir noch zu den Damen. Als Beste Hauptdarstellerin ganz klar für mich, Natalie Portman für ihre Verkörperung des “Black Swans”. Bei den Nebendarstellerinnen verhält es sich dagegen wesentlich schwieriger. Helena Bonham Carter hätte schon längst mal einen Oscar verdient, aber ich fand den Einwand des “Spiegel” sehr gut, die meinten, dass sie soviel großartige skurrile Rollen in den Burton Filmen gespielt hat, dass es gar falsch wäre, sie für ihre “normalste” Rolle auszuzeichnen. Daher denke ich, Melissa Leo für The Fighter hätte die größte Chance.

Eine Bitte hab ich doch noch: Liebe Academy-Mitglieder, lasst Inception nicht leer ausgehen. Mindestens ein Oscar für das Beste Originaldrehbuch an Christopher Nolan (denn was der Typ sich für eine gigantische Story ausgedacht hat, ist bemerkenswert!) und Hans Zimmer für die Beste Filmmusik ehren, das wäre was!!

Ab 01:00 Uhr Ortszeit überträgt Pro 7 die Verleihung und ich werde live dabei sein! Ja, vor Ort! :) Just kidding, aber ich werde versuchen zeitnah die größten Auszeichnungen zu kommentieren und dabei hoffentlich großen Jubel auch nicht verstecken.
Also schaut auch morgen rein, wenn es heißt:

The Oscar went to…

The King’s Speech

“It takes leadership to confront a nation’s fear. It takes friendship to conquer your own.”

Mit 12 Nominierungen geht The King’s Speech in das Rennen um die Oscars bei der Verleihung am kommenden Sonntag und gilt damit als Favorit. Ich bezweifle stark, dass er alle mit nach Hause nehmen wird, aber die Auszeichnung für den Besten Hauptdarsteller ist Colin Firth, laut der überwiegend positiven Kritiken, sicher. Gerechtfertigt?

Nun, wir haben mit The King’s Speech einen britischen Film, fernab jeglichen Hollywoodpathos. Das ist ziemlich entspannend, weil er nicht permanent auf die Tränendrüse drückt und durch einen eventuellen Filmmusiksturm Emotionen evoziert. Mir persönlich war die musikalische Untermalung etwas zu wenig, aber das ist ein anderes Thema.
Die Geschichte eines stammelnden Thronanwärters (Firth) und die aufkommende Freundschaft mit seinem Sprachlehrer (Geoffrey Rush) kommt durch die Darstellung seiner ausdrucksstarken Schauspieler auch so eindrucksvoll herüber. Historisch korrekt und wahr, ein wenig simpel, aber zu keiner Zeit langweilig. Mir gefiel vor allem sehr Geoffrey “Barbossa” Rush, der mit seiner australischen Gelassenheit eine enorme Präsenz ausstrahlt.

Allerdings, und das ist das größte, vielleicht auch einzige Manko des Films, geht durch die Synchronisation vieles an Wirkung verloren. Man erahnt zwar trotzdem, welche schauspielerische Leistung Colin Firth mit dem Stottern vollbringt, aber es fehlt das Beeindruckende. Meine Freundin bemerkte zudem, was mir dann auffiel, dass es kaum eine Steigerung in seiner Sprachleistung gibt.
Daher empfehle ich wirklich, den Film beim ersten oder zweiten Sehen in der Originalsprache anzuschauen. Ich bin mir ziemlich sicher, aus meinem Eindruck vom englischen Trailer heraus, dass einem dann bewusster wird, warum sich Firth eine Oscarnominierung gesichert hat!

Demnach denke ich, dass die Auszeichnung gerechtfertigt sein wird. Es ist ein bewegender Film, dessen Wirkung der Historie stark von den Leistungen seiner Schauspieler abhängt, aber mit Colin Firth, Geoffrey Rush und Helena Bonham Carter genau auf “die richtigen Pferde” gesetzt hat.

Sehenswert! Einen schönen Kinoabend!

Black Swan

“The truth is when I look at you all I see is the white swan. Yes you’re beautiful, fearful, and fragile. Ideal casting. But the black swan? It’s a hard fucking job to dance both.”

Per Dio!!
Eines vorneweg: Es sei mir die Mutmaßung gestattet, dass, wenn jemand den Oscar 2011 verdient hat, es Natalie Portman ist! Ihre schauspielerische Leistung der zerbrechlichen Balletttänzerin, die für die Rolle der Schwankönigin alles geben wird, ist atemberaubend und unglaublich.
Ihr Charakter beherrscht die Technik, die sie für die Rolle des Weißen Schwans benötigt, perfekt, aber die Darstellung des titelgebenden Schwarzen Schwans fällt ihr umso schwerer. Und wenn dann ihre Mutter, ihr Trainer und ihre Konkurrentin sie direkt und indirekt, bewusst und unbewusst beeinflussen, beginnen die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit auf’s drastische zu verschwimmen.
So spürte ich durchgehend den Druck, der auf ihren Schultern liegt und den Natalie Portman eindrucksvoll vermittelt – wenn etwa bei den toll inszenierten Tanzszenen der schwere Atem der Darstellerinnen zu hören ist, bekommt man einen Eindruck davon, wie mühsam doch diese scheinbar “leichtfüßige” Tätigkeit ist.
Portman gibt nichts auf einen langweiligen, durchgängigen Augenschmaus (wie es beispielsweise Jessica Alba in Little Fockers zu tun scheint). Vielmehr trainierte sie ein Jahr für diese Rolle, um nur den Hauch einer Vorstellung davon zu bekommen, wie anstrengend die Leidenschaft des Ballettanzen doch ist. Ihre Mühe, sowohl die der Balletttänzerin als auch die der Schauspielerin, sieht man ihr in allen Einstellungen an. Awesome Mrs. Portman!

“I had the craziest dream last night about a girl who has turned into a swan, but her prince falls for the wrong girl and she kills herself.”

Ich habe lange überlegt, welche Eigenschaften ich dem Film geben soll. Ich bin meiner ersten Intuition gefolgt: verstörend und großartig.
Die Geschichte ist simpel und jeder, der sich im Musikunterricht einmal mit Tschaikowsky’s Schwanensee befasst hat, weiß, worum es geht. Trotz des eventuellen Wissens um den Ausgang der Geschichte, kommt zu keinem Moment Langeweile auf. Eher gegenteilig setzte mich der Film durchgehend unter eine körperliche Spannung, wie ich es seit Aronofsky’s The Wreslter nicht mehr erlebt hatte. In einem Mix aus Drama, Psychothriller und vereinzelt aufblitzenden Schockelementen steigert sich die Spannung den Film über durchweg und gelangt erst am Ende zu einer vermeintlichen Erlösung.

Es wäre kein Aronofsky-Film, wenn dem Zuschauer die Begründung der ganzen Geschichte nicht selbst überlassen werden würde. Und selbst wenn man den Film rational nicht einzuordnen vermag (was auch definitiv nicht Pflicht ist), fesseln tut er auf jeden Fall!

“The only person standing in your way is you. It’s time to let her go. Lose yourself.”

Natürlich tragen die anderen Schauspieler ihren Teil zum Film bei. Dabei seien vor allem auch Vincent Cassel, der die Rolle des machohaften Tanzlehrers perfekt ausfüllt und Barbara Hershey als sorgende, aber auch sehr ambivalente Mutter, erwähnt.
Auch kinematografisch ist der Film grandios umgesetzt. Das Element des Spiegels wird schon früh eingeführt und inszenatorisch klasse verwendet. Und dem Komponisten Clint Mansell gelingt es, die düstere Musik eines Psychothrillers mit den klassischen Elementen Tschaikowsky’s zu verbinden und Wiedererkennungseffekte zu erzielen.

Alles in allem ein spannender, außergewöhnlicher Film, der definitiv nicht umsonst in den Kategorien “Bester Film” und “Beste Regie” nominiert ist.
Ich empfehle diesen Film allen, die spannende Kinounterhaltung und großartige Schauspielleistungen mögen.
Ein Tanzfilm für Kinder ist dies allerdings nicht!

Einen schönen Kinoabend!

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